"Schönes Spiel..." auf dem Jacobsweg

Als Jakobsweg wird der Pilgerweg zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela in Galicien (Spanien) bezeichnet. Die Entstehung dieser Route fällt in ihrem auch heute begangenen Verlauf in die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts. Die erste Erwähnung des Jakobsweges stammt aus dem Jahr 1047. 1987 hat der Europarat die Wege der Jakobspilger zur europäischen Kulturroute erhoben und ihre Identifizierung empfohlen (Muschel).

 

Ziel des Jakobsweges

Die Grabstätte in Santiago de Compostela entwickelte sich im Mittelalter neben Rom und Jerusalem zum dritten Hauptziel der christlichen Pilgerfahrt. Den Menschen wurde in einer einfachen Botschaft ein versöhnender Christus vermittelt. Unter dem Einfluß der christlichen Lehre von Heil und Erlösung entwickelte sich im 11. und 12. Jahrhundert eine der größten Pilgertraditionen des christlichen Westens. Nach einem Niedergang der Pilgerfahrt in der frühen Neuzeit, verursacht durch die Reformation und nationale Kriege, ist seit Mitte des 17. Jahrhunderts ein erneuter Aufschwung erkennbar. Seit den 1970er Jahren hat die Pilgerschaft auf dem Jakobsweg einen großen Aufschwung erlebt. 2010 kamen 272.135 Pilger nach Santiago de Compostela.

 

Die Jacobuslegende

Der Name bezieht sich auf den Apostel Jakobus den Älteren. Dieser war zusammen mit seinem Bruder Johannes einer der zwölf Apostel Jesu Christi. Die Legende beinhaltet sechs große Themenbereiche:

  • Die Schilderung einer Missionstätigkeit des Apostels auf der iberischen Halbinsel
  • Die Translation des heiligen Leichnams im Anschluß an die biblisch überlieferte Hinrichtung des Apostels in Jerusalem durch König Herodes Agrippa I. im Jahr 44 und die Errichtung eines Grabmals
  • Die Wiederauffindung des Grabes zu Beginn des 9. Jahrhunderts unter Bischof Theodomir von Iria Flavia
  • Das hilfreiche Eingreifen des Apostels in ausweglos erscheinenden Situationen bei Kämpfen gegen die Araber
  • Die Befreiung des Jakobsweges von den Mauren durch Kaiser Karl den Großen
  • Wunder, die der Apostel an Pilgern auf dem Weg und am heiligen Ort bewirkt hat.

Die legendäre Entstehung des Jakobsweges durch Kaiser Karl den Großen schildert das vierte Buch des Liber Sancti Jacobi. Demnach habe Karl der Große auf seinem Spanienfeldzug auf Geheiß des Apostels den Weg zum Jakobusgrab von den Mauren befreit. Mit der Einbeziehung des Karlskultes in die Jakobusverehrung konnte das Interesse der deutschen und französichen Pilger geweckt werden.

 

Jakobsmuschel

Der Name „Jakobsmuschel“ bezieht sich auf den heiligen Jakobus, der zum Schutzpatron der Pilger wurde. Er erhielt die Jakobsmuschel als Erkennungszeichen postum zugedacht, die er in Darstellungen in der Regel am Hut trägt, manchmal auch am Gürtel. Sie sollte die Pilger auf dem Heimweg und auch noch in der Heimat schützen. Die christlichen Pilger des Mittelalters benutzen die Jakobsmuschel zum Wasserschöpfen. Als Symbol der Pilger war die Muschel bereits im Mittelalter weithin bekannt.

 

Bodelshofen und die Jacobuskirche

Der Weiler Bodelshofen hat sich durch die verhaltene Bebauung der letzten Jahrzehnte einen besonderen Charme bewahrt. Die heutige Kirche geht auf das Jahr 1105 zurück, die Anfänge reichen bis in die karolingische Zeit hinein. Untersuchungen aus dem Jahr 1964 lassen sogar vermuten, dass auf dem Platz schon in keltischer Zeit ein Heiligtum stand. Die kleine Jakobuskirche war das ganze Mittelalter hindurch Sammelstelle für Pilger auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Hier konnten die Pilger Andacht halten vor dem Fresken-Zyklus über die Passion Christi. Die ausdrucksstarken, 1964 sorgfältig restaurierten Bilder werden auf 1420 bis 1430 datiert. Neben diesen bedeutenden Wandbildern aus dem Spätmittelalter weist das Jakobskirchlein noch vier bemerkenswerte Glasfenster des Künstlers Hans-Gottfried von Stockhausen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auf.

Bodelshofen wurde im Jahr 1268 urkundlich erwähnt. Das Hofgut Bodelshofen diente in dieser Zeit als Herberge und Raststätte der Pilger. Heute ist das Hofgut im Besitz der Freiherren von Massenbach.

Jakobuskirche Bodelshofen


Jakobusbrunnen Bodelshofen